Schlagwort: Wolfratshausen Krankenhaus

Offener Brief an Herrn Landrat Josef Niedermaier

Wolfratshausen, 19. Juni 2021

 

Sehr geehrter Herr Landrat,

wir bedanken uns, dass Sie sich nun entschlossen haben, mit den unmittelbar Betroffenen, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kreisklinik, zu sprechen. Natürlich wäre es sinnvoller gewesen, Sie hätten dieses Gespräch bereits gesucht, bevor Sie den Auftrag zur Analyse der Situation in Auftrag gegeben hatten und das Ergebnis vorgelegen hat. Das haben Sie versäumt. Warum sind Sie nicht diesen Weg gegangen und haben stattdessen sogar die Kreisräte zum Stillschweigen verdonnert? Dazu kommt, dass Sie sich mit der Analyse einer Firma zufriedengegeben haben, die zur Erstellung ihrer Analyse es nicht einmal für nötig gefunden hat, mit den Betroffenen – den Vertretern der Kreisklinik – zu sprechen. Sie sind Vorsitzender des Aufsichtsrats der Kreisklinik und dennoch scheint der Kontakt zwischen Ihnen und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf ein Minimum beschränkt.

Leider haben wir im Lauf der Diskussionen um die Kreisklinik gelernt, dass man sich Ihre Formulierungen sehr genau ansehen und abwägen muss. Dies gilt im Übrigen auch für die von Ihnen verwendeten Zahlen. Klarheit und Genauigkeit sollten wichtige Kriterien bei ihrer Verwendung sein. Ihre Kritik an den von uns genannten Ergebnissen war unzutreffend.

In Ihrer Stellungnahme sprechen Sie nun von „Erhalt des Gesundheitsstandortes“ und „Erhalt der Gemeinnützigkeit“. Sehen Sie nicht selbst, dass eine derartige Wortwahl sehr dürftig ist, angesichts der klaren Forderungen oder wollen Sie sich eine Hintertür offenhalten? Warum sagen Sie nicht klipp und klar, dass auch Ihre Leitplanken in dieser Sache der Erhalt der Kreisklinik „als Krankenhaus unter landkreiseigener Trägerschaft“ ist? Würden Sie sich endlich zu einer solchen Zusage durchringen, dann hätten Sie sicher auch in den Bürgerversammlungen nichts zu fürchten.

Dass Sie nun Ihre Nichtteilnahme an Bürgerversammlungen damit begründen, zuerst mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern „das Gespräch“ zu suchen, ist wirklich wieder die   Umkehr von Ursache und Wirkung. Es lag an Ihnen allein, einen offenen und transparenten Weg von Anfang an zu gehen oder in Hinterzimmern vollendete Tatsachen zu schaffen. Als Landrat sind Sie auch nicht allein für das Krankenhaus zuständig, sondern auch für viele andere Dinge. Es ist daher Ihre Aufgabe, auf Bürgerversammlungen Rede und Antwort zu stehen. Wenn Sie das nicht selbst machen wollen, dann haben Sie doch auch Stellvertreter – es braucht nicht einmal ein Beamter oder eine Beamtin sein, die Sie vertreten.

Sie aber erklären jetzt, dass es keinem zuzumuten wäre, Sie bei Bürgerversammlungen zu vertreten. Haben Sie schon einmal nachgedacht, in welche Situation Sie sich selbst da gebracht haben? Von einem Armutszeugnis zu sprechen ist dabei wohl noch freundlich. Und dabei dann dem Geretsrieder Bürgermeister vorzuwerfen, seine diesbezüglich geäußerte Kritik an Ihnen sei eines Bürgermeisters nicht würdig, zeugt wiederum von Verwechseln von Ursache und Wirkung. Der Geretsrieder Bürgermeister hat Ihnen nur einen Spiegel vorgehalten.

Zu Ihrem Gesprächsangebot an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreisklinik ist anzumerken, dass Sie diesen angeboten haben „zu informieren und ihnen Rede und Antwort zu stehen“. Wie gesagt, man muss bei Ihnen genau hinhören. Es wäre daher schön, wenn Sie dieses Angebot auch dahin ausweiten würden, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch Ihre Meinungen und ihre eigenen Vorschläge zur Lösung einbringen dürften.

Abschließend müssen wir Ihnen leider sagen, dass Sie durch Ihre Vorgehensweise in Sachen Kreisklinik das Vertrauen durch eigenes Handeln verspielt haben. Sie erwecken den Eindruck, der Kreisklink gegenüber nicht wohlgesonnen zu sein. Zeigen Sie durch klares Handeln – nicht Reden – dass dieser Eindruck falsch ist. Zeigen Sie, dass Sie Landrat für alle Bürgerinnen und Bürger und deren Anliegen sind.

Mit freundlichen Grüßen

 

Claudia Drexl-Weile

CSU Ortsverband Wolfratshausen

Stellungnahme der CSU Wolfratshausen zur Pressekonferenz des Landrats Josef Niedermaier in Sache Klinikum Wolfratshausen

Wolfratshausen, 7. Mai 2021 – Nunmehr hat endlich Landrat Niedermaier zur Auflösung der Kreisklinik Stellung genommen. Leider erweisen sich diese Äußerungen als Werfen mit Nebelkerzen: Die Umwandlung der Kreisklinik in ein Gesundheitszentrum ist und bleibt eine Auflösung, mag man es nennen, wie man will. Der Landrat bleibt bei seinen Plänen.

Nachweis gewünscht?

Herr Landrat Niedermaier ist nicht von seiner Haltung abgewichen, eine Ausschreibung durchzuführen. Wann mache ich eine Ausschreibung: Wenn ich etwas zu einem möglichst hohen Preis verkaufen will! Anschließend bin ich an das höchste Gebot gebunden – mit Verhandeln ist da nichts mehr. Ansonsten brauche ich keine „Ausschreibung“.

Was mache ich aber, wenn ich – wie er jetzt sagt – einen Kooperationspartner suche? Ich überlege mir sehr genau, wie und in welchen Bereichen ich zusammenarbeiten will, suche dann verschiedene Partner, mit denen ich das bespreche. Zum Beispiel meine Mindestbedingungen: So müssen vollwertige Abteilungen für Innere Medizin, Chirurgie, Anästhesie und Intensivmedizin, eine ständig besetzte Notaufnahme sowie die Geburtshilfe am Standort Wolfratshausen weiter betrieben werden. Nach den Verhandlungen schließe ich den entsprechenden Vertrag. Nichts mit Ausschreibung; verhandeln muss die Devise sein.

Die Geburtshilfestation in Wolfratshausen ist die geeignete Blaupause dafür!

Ich halte fest: Auch nach der Pressekonferenz des Landrats ist Widerstand gegen seine Pläne dringend nötig. Ich fordere eine offene und vor allem ehrliche Diskussion. Die beschriebenen Horrorszenarien sind tatsächlich solche: Aber sie stammen aus dem Gutachten – das still und leise nicht öffentlich erstellt wurde -, nicht von denen, die sich dagegen aussprechen.

Claudia Drexl-Weile
CSU – Ortsvorsitzende Wolfratshausen