Falsche Klinik-Zahlen? Landratsamt reagiert mit deutlichen Worten auf CSU-Vorwurf

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ILB vom 08.06.2021 von Carl-Christian Eick

Die Wolfratshauser CSU zweifelt an den Zahlen, die der Landrat mit Blick auf das Defizit der Kreisklinik genannt hat. Die Kreisbehörde reagiert mit deutlichen Worten.
Wolfratshausen/Bad Tölz – Die Vorsitzende des CSU-Ortsverbands Wolfratshausen, Claudia Drexl-Weile, und ihr Stellvertreter Günther Eibl haben Zweifel an den Zahlen angemeldet, die Landrat Josef Niedermaier (FW) mit Blick auf die Kreisklinik-Bilanzen seit dem Jahr 2013 genannt hat. Drexl-Weile und Eibl streiten nicht ab, dass das Krankenhaus Verluste macht – doch nach ihrer Rechnung sind’s unterm Strich 650 000 Euro weniger als Niedermaier festgestellt hat.

Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt die Pressesprecherin der Kreisbehörde, Marlis Peischer: „Die von uns genannten Zahlen entstammen den Prüfungsberichten der Wirtschaftsprüfer zu den jeweiligen Jahresabschlüssen“ und seien in dieser Form vom Aufsichtsrat der Kreisklinik gGmbH beschlossen worden. Peischer schlüsselt geduldig auf: Bilanz 2013: laut Landrat 1,4 Millionen Euro Verlust, laut Prüfungsbericht 1 393 000 Euro Defizit, „also gerundet minus 1,4 Millionen“. Jahresergebnis 2018: laut Landrat 1,7 Millionen Euro Miese, laut Prüfungsbericht 1 744 000 Euro Verlust, „also gerundet minus 1,7 Millionen“. Bilanz 2019: von Landrat Niedermaier genannt 2,6 Millionen Euro Unterdeckung, laut Prüfungsbericht 2 579 000 Euro Verlust, „das sind gerundet minus 2,6 Millionen Euro“, so Peischer.

“Anscheinend verliert sich die Ortsgruppe Wolfratshausen der CSU gerne im Detail und tut sich schwer, das große Ganze zu erfassen.“
Marlis Peischer, Pressesprecherin des Landratsamts in Bad Tölz

Die Pressesprecherin des Landratsamts weist darauf hin, dass der Ortsverband der Wolfratshauser CSU „in den Jahren 2013, 2018, 2019 das Jahresergebnis der Kreisklinik Wolfratshausen gGmbH um das Ergebnis des Betriebs des Pflegeheims verkürzt“. In den besagten Jahren schrieb das Kreispflegeheim in Lenggries laut Peischer jeweils rote Zahlen. Konkret: minus 109 000 Euro (2013), 189 000 Euro€ (2018), und am Ende des Jahres 2019 betrug das Defizit 358 000 Euro. Gleichzeitig „vergisst der Ortsverband“ die Jahresüberschüsse des Pflegeheims zum Beispiel in den Jahren 2015 (43 000 Euro), 2016 (77 000 Euro) und 2017 (24 000 Euro) entsprechend zu berücksichtigen. „Um diese Beträge würde sich dann das Jahresergebnis nur des Krankenhauses verschlechtern“, betont Peischer. Und weiter: „Fakt ist, die Kreisklinik gGmbH besteht bis dato aus Krankenhaus und Pflegeheim. Insofern ist es natürlich geboten, die jeweiligen Gesamtergebnisse zu kommunizieren.“

Die Tendenz sei „völlig eindeutig“

Im Übrigen habe Landrat Niedermaier mit dem Hinweis auf das strukturelle Defizit des Wolfratshauser Krankenhauses die „grundsätzliche Tendenz“ veranschaulichen wollen, die „völlig eindeutig“ sei. Peischer wörtlich: „Aber anscheinend verliert sich die Ortsgruppe Wolfratshausen der CSU gerne im Detail und tut sich schwer, das große Ganze zu erfassen.“ (cce)