Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber mahnt zum Dialog mit den Bürgern

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ILB – Volker Ufertinger 18.05. – 14:10h

Wolfratshausen – Dr. Edmund Stoiber hatte in seiner Zeit als Minister und Ministerpräsident einen eisernen Grundsatz: Er hat sich nie in die kommunalpolitischen Angelegenheiten eingemischt. Daher ist es außergewöhnlich, dass er sich jetzt in Sachen Kreisklinik von sich aus zu Wort meldet. Er mahnt die Politik, bei diesem emotionalen Thema mit den Bürgern in den Dialog zu treten.

Wie sehr die Causa Kreisklinik die Menschen aufwühlt, weiß er nur zu gut. „Ich kriege viele Briefe von Bürgern, die sich größte Sorgen machen“, sagt er. Er kann das verstehen: „Eine Klinik, mit der sich so viele Schicksale verbinden, ist etwas extrem Emotionales. Sie ist viel mehr als irgendein Gewerbebetrieb.“ Auch er selbst hat viel in und mit der Kreisklinik erlebt: Am Moosbauerweg starb sein Vater, seine Tochter Veronika und sein Sohn Dominic kamen dort auf die Welt – und er selbst hatte kürzlich einen Termin im Impfzentrum.

Der Wolfratshauser Ehrenbürger stellt nicht in Abrede, dass es die Pflicht der Politik ist, über die Situation in fünf oder zehn Jahren nachzudenken. Doch ihm geht es um das Wie. Die Demokratie hat sich geändert, die Leuten wollen mehr mitgenommen werden. „Die Basisnähe ist ein wichtiges Moment im Prozess der demokratischen Willensbildung geworden.“ Dem müsse man Rechnung tragen, etwa durch Veranstaltungen in den Gemeinden oder in der Loisachhalle – sobald dies wieder möglich ist.

Mit Sorge schaut Stoiber auch auf das Konfliktpotenzial, das das Thema birgt. „Die Kreisklinik ist ein regionales Identifikationsmerkmal“, sagt er. Wer sie antastet, läuft Gefahr, den alten Nord-Süd-Konflikt anzuheizen. Stoiber hat es selbst als junger Politiker erlebt, wie mühsam der Prozess des Zusammenwachsens nach der Gebietsform in den 1970er Jahren verlaufen ist. Es waren Männer wie der kürzlich verstorbene Landrat Otmar Huber oder der Bürgermeister von Holzhausen und Münsinger Ehrenbürger Silvester Pölt, die „Unglaubliches geleistet haben, den Landkreis zusammenzubringen“. Er als „Altvorderer“ könne nur betonen: „Einen solchen Konflikt will keiner noch einmal erleben.“

Wert legt Stoiber auch auf die Tatsache, dass die Klinik für die Menschen im Mittelzentrum unverzichtbar ist. Dass es im Norden zwei so nahe beisammen liegende Städte mit annähernd 45 000 Bewohnern gebe, sei eine „Besonderheit, die man berücksichtigen muss.“ Es sei gelungen, dass sich Wolfratshausen und Geretsried trotz verschiedener Geschichte und verschiedener Interessen als Einheit verstehen. „Dieses Ballungszentrum braucht diese Klinik.“

Patienten bekommen dort, auch nach Stoibers eigener Erfahrung, die beste Hilfe. „Das ist europaweit sicher ein weit überdurchschnittlicher Standard“, so der Ehrenbürger. Wer auch nur das Geringste ändern möchte, müsse sich dem Dialog mit dem Bürger stellen. „Mein Beitrag kann nur sein, auf die emotionale Betroffenheit hinzuweisen.“

 

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Foto: © Sabine Hermsdorf-Hiss