Bericht aus Wolfratshausen

Archive

CSU wirft Landrat Stimmungsmache vor

SZ vom 08.06.2021 von Florian Zick

Der Wolfratshauser Ortsverband hält Josef Niedermaier vor, in der Debatte um die Zukunft des Kreiskrankenhauses mit falschen Zahlen zu hantieren. Der weist die Vorwürfe von sich. Entscheidend sei zudem die Gesamtentwicklung

Im Streit um die Zukunft der Kreisklinik wirft die Wolfratshauser CSU Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) vor, mit falschen Zahlen für den Einstieg eines Investors zu werben. Niedermaier hatte bei seiner Ankündigung, das Konzept zur Sicherung des Krankenhauses demnächst breit bei Informationsveranstaltungen vorstellen zu wollen, auch die Geschäftszahlen aus den vergangenen acht Jahren genannt. Demnach hat die Kreisklinik seit 2013 einen Verlust von rund zehn Millionen Euro gemacht. Laut CSU stimmen die dabei genannten Zahlen aber nicht mit den Daten aus den Geschäftsberichten der Kreisklinik überein. Wenn man die geplante Umstrukturierung der Klinik aber mit der fehlenden Wirtschaftlichkeit begründet, so heißt es in einer Mitteilung, “dann wäre es nur fair und korrekt, diese Zahlen umfassend und genau zu zitieren”.

Die Wolfratshauser CSU kommt bei ihrem Zahlenvergleich auf eine Diskrepanz von 650 000 Euro. Davon entfallen alleine 380 000 Euro auf das Jahr 2019. Dort nennt Niedermaier ein Minus von 2,6 Millionen Euro, im Geschäftsbericht der Klinik sind allerdings nur 2,22 Millionen als Defizit ausgewiesen. Zudem würden Jahre, in denen die Klinik Überschuss erwirtschaftet hat, “ebenfalls falsch wiedergegeben oder verschwiegen”, so schreiben die Wolfratshauser CSU-Vorsitzende Claudia Drexl-Weile und der Zweite Bürgermeister Günther Eibl in einer gemeinsamen Stellungnahme. Die aufgelisteten Zahlen bedürften deshalb der dringenden Aufklärung durch den Landrat.

Das Tölzer Landratsamt erklärt dazu, dass die Kreisklinik Wolfratshausen und das Kreispflegeheim in Lenggries als gemeinsame gGmbH eine Einheit bilden würden und deshalb auch gemeinsam veranschlagt werden müssten. Insofern sei bei den von Landrat Niedermaier genannten Summen sowohl das Minus von 656 000 Euro eingerechnet, welches das Pflegeheim in den Jahren 2013, 2018 und 2019 gemacht habe, aber auch das Plus von zusammen 144 000 Euro, das zwischen 2015 und 2017 dort eingefahren wurde. Zudem gehe es bei der Debatte um die Kreisklinik um die grundsätzliche Tendenz – und die sei eindeutig negativ, heißt es aus dem Landratsamt. “Aber anscheinend verliert sich die Ortsgruppe Wolfratshausen der CSU gerne im Detail und tut sich schwer, das große Ganze zu erfassen.”

Bei der Wolfratshauser CSU will man sich einen solchen Rüffel nicht gefallen lassen. Die Erklärung des Landratsamts sei “eine Lachnummer”, schimpft Günther Eibl, der auch im Aufsichtsrat des Kreiskrankenhauses sitzt. Wenn man so einschneidende Veränderungen vornehmen wolle wie bei der Klinik geplant, dann müsse man auch die Zahlen sauber auseinanderhalten, so Eibl. Eine solche Transparenz stünde auch Landrat Niedermaier als Aufsichtsratsvorsitzenden gut an, findet er.

Zwar hält es auch die Wolfratshauser CSU für geboten, “die Zukunftssicherung der Kreisklinik in Angriff zu nehmen”, wie es in der Stellungnahme des Ortsverbands heißt. Die Gesundheitsversorgung gehöre aber in die öffentliche Hand, der Landkreis müsse also unbedingt Träger des Krankenhauses bleiben. Und außerdem: “Eine Privatisierung würde doch wohl auch das Eingeständnis bedeuten, dass der Landkreis als kommunale Behörde anders als jeder andere Unternehmer in der freien Wirtschaft nicht in der Lage ist, sein Unternehmen in eine sichere Zukunft zu führen”, schreiben Eibl und Drexl-Weile in ihrer Stellungnahme. Zudem sei der Landkreis als Arbeitgeber den Mitarbeitern der Klinik verpflichtet.

Bei der Belegschaft sieht man das genauso. Er halte es für einen Fehler, dass bei der Debatte um die Klinik so viel mit Zahlen hantiert werde, sagt Simon Erhardt, der Betriebsratsvorsitzende. Im Gesundheitswesen könne man nicht alleine mit Wirtschaftlichkeit argumentieren, da gehe es schließlich um die Daseinsvorsorge. Wenn bei der Polizei oder im öffentlichen Nahverkehr Geld investiert werde, “da fragt schließlich auch keiner, was das soll”, sagt Erhardt.

Falsche Klinik-Zahlen? Landratsamt reagiert mit deutlichen Worten auf CSU-Vorwurf

ILB vom 08.06.2021 von Carl-Christian Eick

Die Wolfratshauser CSU zweifelt an den Zahlen, die der Landrat mit Blick auf das Defizit der Kreisklinik genannt hat. Die Kreisbehörde reagiert mit deutlichen Worten.
Wolfratshausen/Bad Tölz – Die Vorsitzende des CSU-Ortsverbands Wolfratshausen, Claudia Drexl-Weile, und ihr Stellvertreter Günther Eibl haben Zweifel an den Zahlen angemeldet, die Landrat Josef Niedermaier (FW) mit Blick auf die Kreisklinik-Bilanzen seit dem Jahr 2013 genannt hat. Drexl-Weile und Eibl streiten nicht ab, dass das Krankenhaus Verluste macht – doch nach ihrer Rechnung sind’s unterm Strich 650 000 Euro weniger als Niedermaier festgestellt hat.

Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt die Pressesprecherin der Kreisbehörde, Marlis Peischer: „Die von uns genannten Zahlen entstammen den Prüfungsberichten der Wirtschaftsprüfer zu den jeweiligen Jahresabschlüssen“ und seien in dieser Form vom Aufsichtsrat der Kreisklinik gGmbH beschlossen worden. Peischer schlüsselt geduldig auf: Bilanz 2013: laut Landrat 1,4 Millionen Euro Verlust, laut Prüfungsbericht 1 393 000 Euro Defizit, „also gerundet minus 1,4 Millionen“. Jahresergebnis 2018: laut Landrat 1,7 Millionen Euro Miese, laut Prüfungsbericht 1 744 000 Euro Verlust, „also gerundet minus 1,7 Millionen“. Bilanz 2019: von Landrat Niedermaier genannt 2,6 Millionen Euro Unterdeckung, laut Prüfungsbericht 2 579 000 Euro Verlust, „das sind gerundet minus 2,6 Millionen Euro“, so Peischer.

“Anscheinend verliert sich die Ortsgruppe Wolfratshausen der CSU gerne im Detail und tut sich schwer, das große Ganze zu erfassen.“
Marlis Peischer, Pressesprecherin des Landratsamts in Bad Tölz

Die Pressesprecherin des Landratsamts weist darauf hin, dass der Ortsverband der Wolfratshauser CSU „in den Jahren 2013, 2018, 2019 das Jahresergebnis der Kreisklinik Wolfratshausen gGmbH um das Ergebnis des Betriebs des Pflegeheims verkürzt“. In den besagten Jahren schrieb das Kreispflegeheim in Lenggries laut Peischer jeweils rote Zahlen. Konkret: minus 109 000 Euro (2013), 189 000 Euro€ (2018), und am Ende des Jahres 2019 betrug das Defizit 358 000 Euro. Gleichzeitig „vergisst der Ortsverband“ die Jahresüberschüsse des Pflegeheims zum Beispiel in den Jahren 2015 (43 000 Euro), 2016 (77 000 Euro) und 2017 (24 000 Euro) entsprechend zu berücksichtigen. „Um diese Beträge würde sich dann das Jahresergebnis nur des Krankenhauses verschlechtern“, betont Peischer. Und weiter: „Fakt ist, die Kreisklinik gGmbH besteht bis dato aus Krankenhaus und Pflegeheim. Insofern ist es natürlich geboten, die jeweiligen Gesamtergebnisse zu kommunizieren.“

Die Tendenz sei „völlig eindeutig“

Im Übrigen habe Landrat Niedermaier mit dem Hinweis auf das strukturelle Defizit des Wolfratshauser Krankenhauses die „grundsätzliche Tendenz“ veranschaulichen wollen, die „völlig eindeutig“ sei. Peischer wörtlich: „Aber anscheinend verliert sich die Ortsgruppe Wolfratshausen der CSU gerne im Detail und tut sich schwer, das große Ganze zu erfassen.“ (cce)

Read More

Falsche Zahlen aus dem Landratsamt? Ja, sagt die CSU Wolfratshausen.

Defizit der Kreisklinik Wolfratshausen: Nannte Landrat falsche Zahlen?

ILB vom 07.06.2021 von Carl-Christian Eick

Wie rot sind die roten Zahlen der Kreisklinik? Die Wolfratshauser CSU kommt zu einem anderen Ergebnis als Landrat Josef Niedermaier (FW).

Wolfratshausen – Der Ortsverband der CSU meldet Zweifel an den Zahlen an, die Landrat Josef Niedermaier (FW) mit Blick auf das Defizit der Kreisklinik Wolfratshausen genannt hat. Sie würden nicht mit den in den Geschäftsberichten ausgewiesenen Zahlen übereinstimmen. „Zum anderen werden Jahre, in denen die Klinik Überschuss erwirtschaftet hat, ebenfalls falsch wiedergegeben oder verschwiegen“, stellen Ortsverbandsvorsitzende Claudia Drexl-Weile und CSU-Stadtrat Günther Eibl in einer Stelllungnahme der Wolfratshauser Christsozialen fest.

Wie berichtet soll der Kreistag erst nach öffentlichen Info-Veranstaltungen Beschlüsse zur künftigen Gesundheitsversorgung im Landkreis sowie zur Zukunft der Kreisklinik fällen. Landrat Niedermaier, der einen strategischen Partner für die kommunale Klinik in der Loisachstadt suchen möchte, verlangt in diesem Kontext von der Krankenhaus-Geschäftsführung unter anderem eine aktualisierte Strategie als Alleinklinik („gegebenenfalls mit Vorüberlegungen zu punktuellen Kooperationen“) sowie eine langfristige Investitionsplanung. Denn die Kreisklinik, das hat Niedermaier mehrfach betont, sei „strukturell defizitär“. Seit 2013 betrug der Verlust, den der Landkreis als Träger der Einrichtung ausgleichen musste, laut Landrat rund zehn Millionen Euro.

Für die CSU besteht Aufklärungsbedarf

Drexl-Weile und Eibl dagegen geben zu bedenken: In den Jahren 2009 bis 2012 habe die Klinik laut Geschäftsberichten einen Überschuss von 1,77 Millionen Euro erwirtschaftet. Und: Während die Gewinn- und Verlustrechnung für 2013 eine Unterdeckung von rund 1,28 Millionen Euro ergeben habe, „nennt Landrat Niedermaier eine Unterdeckung in Höhe von 1,4 Millionen Euro“. Das ist eine Differenz von 120 000 Euro. Ähnliches, so die CSU, habe man beim Vergleich der Zahlen aus den Jahren 2018 und 2019 festgestellt. Unterm Strich stehe eine „Gesamtabweichung“ von 650 000 Euro. Eine Summe, „die der Aufklärung seitens des Landrates bedarf“.

Der vorgeschlagene Weg, die Klinikleitung zu beauftragen, selbst geeignete Maßnahmen für die Zukunft vorzuschlagen, ist richtig.“

Claudia Drexl-Weile und Günther Eibl, CSU Wolfratshausen
CSU-Chefin Drexl-Weile und Eibl, Vize-Bürgermeister der Flößerstadt, betonen erneut, dass die Kreisklinik in kommunaler Trägerschaft bleiben müsse. Eine Privatisierung komme nicht in Frage. Die Leitung der Kreisklinik habe gezeigt, „dass sie unter Zuhilfenahme einer geeigneten Beraterfirma selbst die notwendigen Schritte unternehmen kann, um das gewünschte Ziel einer wirtschaftlich robusten Zukunft zu gestalten“. Gemeint ist die Beraterfirma Oberender und Partner aus Bayreuth, die die Einrichtung 2017 durchleuchtete. Deren Handlungsempfehlungen folgend, bilanzieren Drexl-Weile und Eibl, sei es der Kreisklinik gelungen, das Defizit von 2,22 Millionen Euro (Geschäftsjahr 2019) auf 450 000 Euro (2020) zu drücken. Fazit: „Der vorgeschlagene Weg, die Klinikleitung zu beauftragen, selbst geeignete Maßnahmen für die Zukunft vorzuschlagen, ist richtig.“ In diesem Punkt stimme man mit Niedermaier, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Kreisklinik gGmbH, überein. Allerdings dürfe dies nicht unter Zeitdruck geschehen. Landrat Niedermaier war am Montag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. (cce)

Read More

Die Kreisklinik Wolfratshausen ist (gottseidank) noch da, wohin andere unbedingt zurück wollen: In kommunaler Trägerschaft und nicht in der privaten.

Wir stellen fest: Während unser Landrat Niedermaier immer noch laut über eine Privatisierung der Kreisklinik Wolfratshausen nachdenkt, sind andere Städte und Kommunen schon weiter. Sie haben aus Fehlern der Vergangenheit gelernt und versuchen nun, ihre an private Träger verkauften Kliniken zu rekommunalisieren – sprich, sie in die öffentliche Hand zurückzuführen. Denn nur so können sie die vor Ort Versorgung der ihnen anvertrauten Bürger:innen gewährleisten. Nach dem Lesen des folgenden Artikels, sollte es jedem  – auch dem Landrat und seinen “Followern” – klar sein: Hände weg von der Privatisierung unserer Kreisklinik in Wolfratshausen!

Der folgende Beitrag stammt aus dem kma-Magazin vom | Quelle: Sabine Rößing | © 2021. Thieme Verlag. All rights reserved.

https://www.kma-online.de/aktuelles/klinik-news/detail/vor-und-nachteile-bei-der-rekommunalisierung-von-kliniken-a-45101

Vor- und Nachteile bei der Rekommunalisierung von Kliniken

Jahrelang schien es für öffentliche Krankenhausträger nur eine Möglichkeit zu geben, ihre Standorte zukunftsfest zu machen: den Verkauf an private Betreiberkonzerne. Doch zeichnet sich in diesen Tagen ein Paradigmenwechsel ab. Immer mehr Kommunen kaufen ihre Krankenhäuser zurück. Doch nicht immer ist das schwierige Manöver erfolgreich.

Rekommunalisierung von Krankenhäusern

Standen die Zeichen lange auf Privatisierung, holen sich mittlerweile immer mehr Kommunen ihre Krankenhäuser zurück.

Das Krankenhaus in Havelberg im Landkreis Stendal wird es wohl nicht schaffen. Die Betreibergesellschaft KMG Kliniken hat angekündigt, das Haus schließen und in ein Seniorenheim umwidmen zu wollen. Als Krankenhaus sei die Einrichtung nicht mehr wirtschaftlich zu führen, die Menschen im Umkreis nutzten es einfach nicht. Dennoch bemüht sich die Kommune um den Erhalt. Dem Landkreis geht es um die Sicherung der medizinischen Grundversorgung. Deshalb will er das Haus, das er vor 18 Jahren privatisiert hatte, heute zurückkaufen.

Read More
Read More

Stadtrat Günther Eibl für besondere Verdienste ausgezeichnet!

Vier Urkunden und ein Blumenstrauß für besondere Verdienste

Carl-Christian Eick :: Isar Loisach Bote 27.05.202

Ehre, wem Ehre gebührt: Wolfratshausens Bürgermeister hat vier langjährige Stadträte im Namen des Innenministers ausgezeichnet.

Wolfratshausen – Es gibt 80 Millionen potenzielle Trainer der deutschen Fußballnationalmannschaft, die davon überzeugt sind, den Job besser machen zu können als Joachim Löw. Mutmaßlich gibt’s auch etwa 19 000 Wolfratshauser, die sich sicher sind, als Stadträte klügere Entscheidung zu fällen, als es die 24 Amtsinhaber tun. Kurzum: Der, der Verantwortung übernimmt, darf mit Kritik rechnen, ein Lob bekommt er selten. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann ging nun mit gutem Beispiel voran – und ließ in seinem Namen Rathauschef Klaus Heilinglechner vier verdienten Stadträten Dankeschön für ihr jahrelanges Engagement sagen.

„Besondere Verdienste um die kommunale Selbstverwaltung“: Das bescheinigt Herrmann per Urkunde Roswitha Beyer, die seit 2002 im Stadtrat saß, bei der Wahl 2020 jedoch nicht mehr kandidierte. Heilinglechner hob das „mitreißende Engagement“ der SPD-Politikerin hervor, die insbesondere als Mitglied des Bauausschusses ein ums andere Mal den Sachen hartnäckig auf den Grund ging. Von 2008 bis 2014 war Beyer Jugend- und Sozialreferentin, von 2014 bis 2020 setzte sie sich als Seniorenreferentin für die Belange älterer Semester ein. „Ich habe es gerne gemacht“, stellte Beyer im Rückblick auf ihre Amtszeit fest. So habe sie viele Blicke hinter die Kulissen werfen können. Den Bürgern empfahl sie, sich Infos aus erster Hand zu holen, sprich Sitzungen der Mandatsträger live zu verfolgen. So ließe sich die eine oder andere Entscheidung besser nachvollziehen.

Ein Vorbild an Fleiß und Einsatz

Eine „scharfsinnige Beobachtungsgabe“ attestierte der Bürgermeister seinem Herausforderer bei der Wahl 2020 und jetzigen Stellvertreter Günther Eibl. Der CSU-Politiker gehört dem Gremium seit 2002 an, von 2014 bis Mai 2020 war Eibl Sprecher der CSU-Fraktion, er vertritt die Interessen der Kommune unter anderem im Aufsichtsrat der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft. Eibl sei „ein Vorbild an Fleiß und Einsatz für unsere Stadt“, sagte Heilinglechner bei der Ehrung im Rahmen der jüngsten Stadtratssitzung in der Loisachhalle.
Eine von Innenminister handsignierte Urkunde bekam auch Helmut Forster. Ihn wählten die Wolfratshauser 1999 in den Stadtrat, 2008 zum Bürgermeister. Forster, der vor der jüngsten Kommunalwahl der Bürgervereinigung den Rücken kehrte und mit anderen Stadträten die Liste WOR gründete, ist aktuell Sprecher der politischen Gruppierung sowie Wirtschaftsreferent des Stadtrats. „Wir schätzen Ihre Wortbeiträge und Ihren weisen Rat“, stellte Heilinglechner fest. Sein Amtsvorgänger schaffe durch viele Gespräche mit den Bürgern eine enge Verbindung zwischen dem Souverän und den Räten. Forster, der im Wahlkampf kein Geheimnis aus „persönlichen Differenzen“ mit seinem politischen Ziehsohn Heilinglechner gemacht hatte, bedankte sich bei seinen Stadtratskollegen für die „stets gute Zusammenarbeit“. Es gehöre zu einer Demokratie, dass man hier und da unterschiedlicher Meinung sei.

Praller „bringt die Angelegenheit auf den Punkt“

Seit 2002 gehört Josef Praller, Fraktionschef der Bürgervereinigung, dem Stadtrat an. Er sei nicht zuletzt „fürs Klima ein Gewinn“, so Heilinglechner. Praller habe die Gabe, „Freude und positive Stimmung“ ins Gremium zu bringen. Und: Er wirke „ausgleichend“, wenn der politische Disput heftig werde, „und er bringt die Angelegenheiten auf den Punkt“. Das bewies Praller bei seiner kurzen Entgegnung: „Danke. Es macht mir immer Freude, mich für die Bürger und unsere schöne Stadt einzusetzen.“ Punkt. (cce)

Offener Brief der CSU Wolfratshausen an Landrat Niedermaier

Sehr geehrter Herr Landrat,

die CSU Wolfratshausen wendet sich in einem offenen Brief an Sie, da wir den Eindruck haben, dass das, was an Tatsachen an die Öffentlichkeit gelangt, nicht mit Ihren Äußerungen in der Öffentlichkeit übereinstimmt.

Sie beschweren sich, es sei eine Menge „Mist in Umlauf“ oder lassen sich fragen, ob mit dem von Ihnen vorgeschlagenen Beschlussantrag für die Schließung der Klinik oder deren Verkauf gestimmt würde. Da konnten Sie gut mit „Nein“ antworten.

Entscheidend ist jedoch, dass Sie genau diese Möglichkeit zum Verkauf an privat und die Schließung der Klinik (genannt Gesundheitscampus) eben genau nicht ausgeschlossen haben. Sie wurden mehrfach aufgefordert, genau diese Kriterien in Ihren Beschlussantrag aufzunehmen. Das haben Sie leider nicht getan.

Genau dieses Ihr Verhalten lässt Zweifel aufkommen. Bitte sagen Sie nicht nur, was Sie nicht wollen, sondern legen Sie das auch in entsprechenden Beschlüssen fest.

Vielmehr verstärkt sich der Eindruck, dass Sie und Ihre Mitstreiter weiterhin den Verkauf der Klinik betreiben wollen:

Die vorliegenden Indizien sprechen für sich:

  1. Nach Beschluss durch den Kreistag beauftragten Sie eine Firma, deren Geschäftskonzept die Begleitung des Verkaufs von kommunalen Kliniken an private Investoren ist. Ein Großteil der Kreisrätinnen und Kreisräte kannte diesen Geschäftszweck nicht und wurde darüber auch nicht von Ihnen informiert. Als der Geschäftszweck bekannt wird, entstehen erste Zweifel an der Unabhängigkeit und ergebnisoffenen Untersuchung durch diese Firma.
  2. Nach Vorlage dieser Studie/dieses Gutachtens stellt sich heraus, dass die Beraterfirma nicht in Kontakt mit den Belegärzten der Wolfratshauser Klinik getreten ist (siehe offener Brief). Dies wäre Aufgabe der Beraterfirma gewesen, dem sie jedoch nicht nachgekommen ist.
  3. Dem Kreisausschuss/dem Kreistag wird ein mehrfach umformulierter Beschlussantrag von Ihnen vorgelegt, bei dem trotz wiederholter Aufforderung nicht der Bestand der Wolfratshauser Kreisklinik unter Eigentümerschaft weiterhin des Landkreises als Grundbedingung verankert ist. Vielmehr bleibt der Verkauf an privat offen.
  4. Die Asklepios-Klinik Bad Tölz erklärt über die örtliche Presse, dass Sie zur Übernahme der Kreisklinik Wolfratshausen bereitstehe.

Weitere Indizien und offene Fragen liegen in Ihrer Doppeltätigkeit als Beirat der Asklepios-Klinik Bad Tölz und gleichzeitig als Vorsitzender des Aufsichtsrats des Klinikum Wolfratshausen.

Wenn es um die Kreisklinik so schlecht bestellt wäre, wie Ihre Gutachterfirma Vicondo Healthcare ausführt, dann hätten Sie doch in Ihrer über 12jährigen Tätigkeit als Vorsitzender des Aufsichtsrats gravierende Fehler gemacht und Ihre Aufgaben in dieser Position nicht erfüllt. Warum sind Sie dann erst jetzt kurz nach der Kommunalwahl tätig geworden?

Andererseits, und davon sind wir überzeugt, steht die Klinik besser da, als es die Vicondo-Studie aufzeigt. Dann hätten Sie zumindest den Ergebnissen von Vicondo widersprechen müssen und die erfolgreiche Arbeit der Klinik auf sich selbst zugutehalten können.

Besonders aber sticht ins Auge, dass Sie als Vorsitzender des Aufsichtsrats der Klinik über Jahre hinweg die im Gutachten der Beraterfirma Oberneder festgehaltenen Vorschläge ohne Widerspruch begleiten und unterstützen. Über Jahre hinweg haben Sie in Ihrer Eigenschaft als Vorsitzender des Aufsichtsrats verfolgt, wie die Situation der Klinik sich immer mehr verbessert. Und genau in dieser Situation beauftragen Sie eine Firma (siehe oben deren Geschäftszweck) mit der Suche nach Lösungen für die Klinik. Warum haben Sie nicht mit der Beraterfirma Oberneder (Geschäftszweck Kooperation unter Kliniken) versucht, den eingeschlagenen, hervorragend guten Weg – siehe Geburtenhilfe – weiterzugehen?

Sie sehen, Fragen über Fragen, wenn Ihre Worte mit Ihrem Handeln verglichen werden.

Ein Drittes: Wir bitten Sie, sich auch gegen die Behauptung einer Kreisrätin, die Sie unterstützt, zu verwahren, dass „ein offenes Verfahren ohne ideologische Einschränkungen“ anzustreben ist. Oder sind Sie auch der Meinung, dass der Erhalt der Klinik als solche und das Bekenntnis zum kommunalen Verbleib Ideologie sei?

Bitte ringen Sie sich dazu durch, ein klares Bekenntnis zu den Grundbedingungen für die Zukunft der Klinik abzugeben. Dann haben wir alle eine gemeinsame Basis zur Diskussion.

Die CSU Wolfratshausen fordert zu beschließen, die Kreisklinik Wolfratshausen als vollwertiges Krankenhaus unter Eigentum des Landkreises zu erhalten. Dann können auf dieser Basis Kooperationspartner gesucht werden.

Die beiden Stadtratsgremien aus Wolfratshausen und Geretsried haben in einer gemeinsamen Resolution sehr klar ihre Position zum Erhalt der Kreisklinik unter kommunaler Hand geäußert. Es wurde ein einstimmiges Ergebnis über alle Parteigrenzen hinweg gefasst.

Sie werfen den beiden Bürgermeistern aus Geretsried und Wolfratshausen vor, wider besseres Wissen nicht den Mund gegen Falschinformationen aufzumachen. Sie sagen, niemand wolle die Kreisklinik schließen. Das stimmt nicht: Genau dies hat z.B. Ihre Beraterfirma durch den Vorschlag „Gesundheitscampus“ getan.

Wir freuen uns darüber, dass die beiden Bürgermeister, Michael Müller und Klaus Heilinglechner, den Mut hatten, „ihren Mund aufzumachen“ und die Interessen der Bevölkerung des wohlgemerkt gesamten Landkreises zu vertreten.

Wolfratshausen, 19. Mai 2021

Mit freundlichen Grüßen

Claudia Drexl-Weile
CSU – Ortsverband Wolfratshausen

Read More

Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber mahnt zum Dialog mit den Bürgern

ILB – Volker Ufertinger 18.05. – 14:10h

Wolfratshausen – Dr. Edmund Stoiber hatte in seiner Zeit als Minister und Ministerpräsident einen eisernen Grundsatz: Er hat sich nie in die kommunalpolitischen Angelegenheiten eingemischt. Daher ist es außergewöhnlich, dass er sich jetzt in Sachen Kreisklinik von sich aus zu Wort meldet. Er mahnt die Politik, bei diesem emotionalen Thema mit den Bürgern in den Dialog zu treten.

Wie sehr die Causa Kreisklinik die Menschen aufwühlt, weiß er nur zu gut. „Ich kriege viele Briefe von Bürgern, die sich größte Sorgen machen“, sagt er. Er kann das verstehen: „Eine Klinik, mit der sich so viele Schicksale verbinden, ist etwas extrem Emotionales. Sie ist viel mehr als irgendein Gewerbebetrieb.“ Auch er selbst hat viel in und mit der Kreisklinik erlebt: Am Moosbauerweg starb sein Vater, seine Tochter Veronika und sein Sohn Dominic kamen dort auf die Welt – und er selbst hatte kürzlich einen Termin im Impfzentrum.

Der Wolfratshauser Ehrenbürger stellt nicht in Abrede, dass es die Pflicht der Politik ist, über die Situation in fünf oder zehn Jahren nachzudenken. Doch ihm geht es um das Wie. Die Demokratie hat sich geändert, die Leuten wollen mehr mitgenommen werden. „Die Basisnähe ist ein wichtiges Moment im Prozess der demokratischen Willensbildung geworden.“ Dem müsse man Rechnung tragen, etwa durch Veranstaltungen in den Gemeinden oder in der Loisachhalle – sobald dies wieder möglich ist.

Mit Sorge schaut Stoiber auch auf das Konfliktpotenzial, das das Thema birgt. „Die Kreisklinik ist ein regionales Identifikationsmerkmal“, sagt er. Wer sie antastet, läuft Gefahr, den alten Nord-Süd-Konflikt anzuheizen. Stoiber hat es selbst als junger Politiker erlebt, wie mühsam der Prozess des Zusammenwachsens nach der Gebietsform in den 1970er Jahren verlaufen ist. Es waren Männer wie der kürzlich verstorbene Landrat Otmar Huber oder der Bürgermeister von Holzhausen und Münsinger Ehrenbürger Silvester Pölt, die „Unglaubliches geleistet haben, den Landkreis zusammenzubringen“. Er als „Altvorderer“ könne nur betonen: „Einen solchen Konflikt will keiner noch einmal erleben.“

Wert legt Stoiber auch auf die Tatsache, dass die Klinik für die Menschen im Mittelzentrum unverzichtbar ist. Dass es im Norden zwei so nahe beisammen liegende Städte mit annähernd 45 000 Bewohnern gebe, sei eine „Besonderheit, die man berücksichtigen muss.“ Es sei gelungen, dass sich Wolfratshausen und Geretsried trotz verschiedener Geschichte und verschiedener Interessen als Einheit verstehen. „Dieses Ballungszentrum braucht diese Klinik.“

Patienten bekommen dort, auch nach Stoibers eigener Erfahrung, die beste Hilfe. „Das ist europaweit sicher ein weit überdurchschnittlicher Standard“, so der Ehrenbürger. Wer auch nur das Geringste ändern möchte, müsse sich dem Dialog mit dem Bürger stellen. „Mein Beitrag kann nur sein, auf die emotionale Betroffenheit hinzuweisen.“

 

Zum Beitrag: https://www.merkur.de/lokales/wolfratshausen/wolfratshausen-ort29708/wolfratshausen-stoiber-mahnt-in-sachen-kreisklinik-zum-dialog-mit-den-buergern-90615529.html

Foto: © Sabine Hermsdorf-Hiss